Durch Einsatz modernster Technik könnten Bauvorhaben günstiger, mit weniger Risiko und Personal und in viel kürzerer Zeit fertig gestellt werden.

Es brennt schon das sechste oder siebte Mal. Zuerst waren es die Bauleuchten, nun hatten die Handwerker am Wochenende das Innenlicht nicht ausgeschaltet. Summiert, sind aus dieser kleinen Unachtsamkeit mittlerweile schon ca. € 25-30 an Stromkosten zusammen gekommen. Hochgerechnet auf alle Baustelles in Deutschland wären das…

Bauen in Handarbeit
Eine auf einer Holzkonstruktion basierende Gebäudehülle wird in monatelanger Arbeit aufgebaut.

Wenn man jeden Tag an einer Baustelle vorbeikommt, kann man den Fortschritt fast Schaufel für Schaufel, Schraube für Schraube miterleben. Man hat das Gefühl, einem Maler über die Schulter zu schauen. Spätestens, wenn sich die Handwerker über A0 große Pläne beugen, merkt man jedoch, dass dieser Vergleich falsch ist. Hier ist kein kreativer Künstler am Werk – der sitzt im Architekturbüro und sein Bild ist längst fertig. Vor Ort sind vor allem umsetzende Tätigkeiten gefragt. In diesem Kontext wirkt vieles eher satirisch: Da werden Böden säuberlich geöffnet, geglättet, geschottert und verfestigt, nur, um einen Tag später dort wieder ein Loch zu graben und Rohre zu verlegen. Da wird das hinter der Isolierung nicht sichtbare Metall gesucht und dabei die halbe Wand eingerissen. Da wird fachmännisch die Verschalung einer Mauer in tagelanger Mühe hergestellt, der Beton gegossen und dann, fehlt leider ein Ausschnitt, der in 5 Tagen Handarbeit aus dem Material gemeißelt werden muss. Dramatisch dabei: diese Baustelle ist noch eine der weniger anspruchsvollen Vorhaben – die gesamte Gebäudehülle ist aus Holz und wurde beim Zimmermann vorbereitet – trotzdem werden 1½ Jahre veranschlagt.

Ähnliche Arbeitsmuster sind typisch auf allen Bauplätzen und offenbaren einen bisher unveränderten Faktor bei Baumaßnahmen: Der Mensch. Welcher Handwerker kann schon wirklich eine Zeichnung lesen, welcher Architekt fehlerfrei planen? Wer garantiert optimale Materialien und genaue Arbeiten? Es ist menschlich, dass deswegen nicht nur Fehler passieren, sondern diese sich auch verketten und potenzieren. Dann wird korrigiert, repariert, erneuert, umgeplant. Das braucht Zeit, Nerven und Mühen, und hat mindestens Folgekosten bei Material und Lohn. Wirklich schockierend wirkt jedoch, dass die meisten Bauarbeiten in unserem sonst technisierten Alltag wie in Zeitlupe erscheinen.

Wo ist die Innovationskraft des homo sapiens, des denkenden Menschen geblieben? Wo sind die zeitgemäßen Hilfsmittel, welche die effektivste Erledigung der Arbeit ermöglichen?

Ein Arbeiter trägt mittels Exoskelett ein schweres Metallteil, dass normalerweise nur mit einem Kran bewegt werden kann.
Ein Arbeiter trägt mittels Exoskelett ein schweres Metallteil, dass normalerweise nur mit einem Kran bewegt werden kann.

Wir leben in einem Land, in welchem die Lohnkosten zu den höchsten der Welt gehören. In einer Branche, welche einen hohen Lohnanteil und zudem aufwendig bearbeitete Materialien verwendet, verwundert es ungemein, dass sich scheinbar weder Forschung, noch Handwerker, bzw. Bauherren der Steigerung derer Produktivität verschrieben haben. Termingerechte Lieferung von Material, sonst überall üblich, scheint auf Baustellen keinen Anreiz zu haben. Fehler in Planung und Abstimmung werden akzeptiert, dabei könnte selbstlernende Software verlässlich eine zeitliche und abgestimmte Steuerung der Gewerke übernehmen. Tragbare Geräte, welche planbasiertes, millimetergenaues Maßnehmen und Dokumentieren jeder Steckdose und Schraube ermöglichen, sind kein Science Fiction, sie müssten nur „bestellt“ werden. Jedes eingesetzte Werkzeug könnte wissen, was, wann, wo und wie umzusetzen ist. Maschinengestützte Muskelkraft in Form eines Exoskelett könnte schnelles, exaktes und effizientes Bewegen selbst schwerster Lasten auch ohne Kran oder Gerüst ermöglichen.

€ 211 Mrd. Umsatz hatte die Baubranche 2012 bei ca. 200.000 Baustellen. Alleine die Kosteneinsparungen für vergessene Beleuchtung belaufen sich so auf fast € 6 Mio. Viele neue Technologien sind hier – deren Möglichkeiten und eine, für fast 2 Mio. Beschäftige der Branche soziale und sinnvolle, bildungsgestützte Wegbereitung müssen schnellstmöglich durchdacht werden. Der Neubau nebenan wäre mit modernen Hilfsmitteln sicher in einem Bruchteil der Zeit und der Kosten umsetzbar gewesen.

 

Literatur / Links:

Der Arbeitsmarkt im Bausektor – Entwicklung 2010 – Bundesagentur für Arbeit – http://www.bauindustrie.de/media/attachments/Branchenbericht_zur_Arbeitsmarktsituation_im_Bausektor.pdf

Statistiken zur Baubranche – https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/Bauen/Baugewerbe/Baugewerbe.html

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